Vogtlandkristall


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Die Minerale der Baustelle der B 173 bei Großzöbern, 2010

Fundstellen > Sonstige Fundstellen

Seit dem Frühjahr dieses Jahres wird die B 173 südlich von Großzöbern auf einer Länge von etwa 2,9 Kilometern neu ausgebaut (siehe Skizze des Ausbauabschnittes der Bundesstraße B 173). Bei den Bauarbeiten wurde die alte Kupfergrube ,,Treue Freundschaft´´ in der Nähe des ehemaligen Dorfes Ramoldsreuth, welches dem Bau der Talsperre Dröda weichen mußte, beim Bau eines Wasserrückhaltebeckens unerwartet angefahren.
Erfreulicherweise konnten hier einige sehr schöne Stufen mit Malachit**, Chrysokoll und Glasköpfen geborgen werden. Die wenigen Funde von ausgezeichneten Gangstücken zeigen eine interessante Paragenese dieser alten Kupferlagerstätte. So finden sich im Gangquarz die am besten ausgebildeten Malachitgarben dieser Fundstelle. Die im Gang enthaltenen Limonitlinsen lieferten dagegen eine andere Ausbildung der Kupfererze. Hier lag der Kupferkies in knolliger, klumpiger Form vor, welcher zu seinen Randbereichen hin umgewandelt wurde. So folgt auf einem Kern von Kupferkies und Homichlin nach außen eine Abfolge von Cuprit, teilweise Malachit und Limonit. Der Chrysokoll bildete sich meistens im Randbereich des Kupfererz führenden Quarzganges aus.
Einige weitere angeschnittene Gänge auf der Baustelle lieferten gute Limonite, Kupfererze und für dieses Gebiet besonders schöne Bergkristalle.
Im Juli wurde etwa 500 Meter südlich von Großzöbern ein mehrere Meter breiter Quarzgang freigelegt, welcher stellenweise auch Amethyst führt.
Ein weiterer Gang in der Nähe lieferte ausgezeichnete Perimorphosen nach Calcit** und Pseudomorphosen nach Fluorit**.

Anzumerken ist noch, daß sich die Fundpunkte Nr. 1 bis 4 im Bereich der Ebmater Spalte und die mit den Nummern 5 bis 8 im Bereich des Geilsdorfer Spaltensystems befinden. Zwischen diesen beiden Störungszonen befindet sich ein mineralogisch uninteressantes Gebiet (siehe Skizze unten).

In diesem Fundbericht soll auch die Grube ,,Sonne Gottes´´ berücksichtigt werden, da dieser Erzgang beim Staßenneubau mit angeschnitten wurde, aber keine Mineneralienfunde lieferte.
Es wurden lediglich einige kleinere Quarzgänge beobachtet, welche nur unbedeutende kleine Quarzkristalle und etwas Limonit führten.







Die Mineralien der Baustelle in der Übersicht
und die Lage der einzelnen Fundpunkte:

(Karte zum Vergrößern bitte anklicken)


Nur diese Tafel erinnert noch an das kleine Dorf Ramoldsreuth, welches im Jahre 1967 dem Bau der Trinkwassertalsperre Dröda weichen mußte.
(Foto von F. Forkel, Dröda; 2010)





Handskizze und Tabelle vom Autor





Bild unten:
Warnschild über den Altbergbau an der Baustelle der Grube
,,Treue Freundschaft´´.


Die Minerale im Einzelnen:

Quarz**
Wie auf den meisten Fundstellen im süd-westlichen Vogtland ist auch hier der Quarz das vorherrschende Mineral auf den Gängen und Störungszonen. Ihre Breite bewegt sich im Bauabschnitt der B173 im Bereich von wenigen Zentimetern bis hin zu etwa zwei Meter. Die Gänge bestehen aus derbem Gangquarz, in dem immer wieder Drusen und Klüfte mit den anderen Mineralien auftreten. Diese sind in der Regel Eisen- und Kupfererze und kristalliner Quarz. Anzumerken ist dabei, daß gut ausgebildete Quarzkristalle relativ selten vorkommen.
Als Besonderheit ist hier auch der bis zu 2,5 m mächtige amethystführende Quarz-Limonitgang in der Nähe von Großzöbern (Fundstelle 7.) zu nennen, welcher durch die Bauarbeiten angeschnitten wurde.

Diese beiden Stufen mit Bergkristallen bis zu ca. 3 cm Läge stammen aus einem kleinen, etwa 15 cm breiten, Quarzgang
(Fundpunkt 2 auf der Karte). Die Bezeichnung des Quarzganges mit
,,Gang Gisela´´erfolgte nach dem Vornamen seiner Entdeckerin.
Der Quarzigel rechts hat ein Durchmesser von 5 cm und die oben abgebildete Stufe erreicht mit einer Größe von 12 x 9 x 4 cm für dieses Fundgebiet schon ordentliche Ausmaße!











Auf der Fundstelle Nr. 2 fanden sich in derselben Druse mit den Bergkristallen auch einige Quarzstufen mit Hämatit. Diese Quarzkristalle sind auffällig rot-braun verfärbt und eigenartigerweise nur in diesen Bereichen tektonisch stark beansprucht, bzw. im Wachstum behindert. Bei einer anderen Stufe mit kristallinem Hämatit sind die Quarze dagegen normal ausgebildet.
Die Breite der abgebildeten Stufe beträgt 6 cm.

Etwa 50 Meter weiter nördlich verläuft parallel zum Gang Nr. 2 ein weiterer Quarzgang (auf der Karte Fundpunkt Nr. 4) mit einer mittleren Mächtigkeit von etwa 30 cm.
Hier fand sich im Anstehenden eine ca. 80 x 60 x 25 cm große Erzlinse mit Eisen- und mit Kupfererzen. Weitere Minerale waren Pyrit und Quarz.
Im Bild rechts ist eine 14 x 12 cm große Quarzstufe aus einer anderen Druse dieses Ganges abgebildet.



Unten:
Eine 5,5 cm breite Kleinstufe mit bis zu 1,5 cm großen, wasserklaren Bergkristallen aus einer kleinen Quarzschliere in der Nähe der Bushaltestelle Berglas.
Leider wurden nur drei solcher Kleinstufen gefunden.

Rechts ist eine schöne Stufe mit Pseudomorphosen von Quarz** nach Calcit** (Skalenoeder) zu sehen (Fundpunkt Nr. 8).
Die Maße des Stückes betragen 14 x 10 x 7 cm.





Ebenfalls vom Fundpunkt Nr. 8 stammt diese
12 x 9 x 6 cm große Chalcedonstufe, welche teilweise mit kleine Quarzkristallen besetz ist.
(Sammlung F. Forkel; Dröda)




Vom Gang Nr. 3 stammen solche Quarze**, welche sich als letzte Abfolge der Mineralisation des Ganges in den Limonitdrusen auf den Glasköpfen ausgebildet haben.
Breite der Stufe ca. 11 cm.



Erfreulicherweise wurde bei den Bauarbeiten ein rund 2,5 Meter mächtiger Quarz-Limonitgang freigelegt ( Fundpunkt Nr. 7), welcher neben gelegentlich auftreteden Diopsit und selten auch kleinsten Anatasen einige Bereiche mit schön ausgebildetem Amethyst, selten in Kristallen, führte.
Der unten abgebildete Anschliff hat ein Breite von 27 cm und ist im Innern drusig ausgebildet.







Ansicht des Quarz-Limonitganges ( Fundstelle Nr.7).
Die Breite des anstehenden Ganges beträgt etwa 2,5 Meter.
Die linke Seite (Breite bis zu 1,5 m) besteht aus Quarz; in einigen Bereichen auch aus Amethyst. Drusen mit Quarzkristallen bilden aber die Ausnahme.
Auf der rechten Gangseite dagegen dominiert Limonit, welcher teilweise verquarzt ist.
(Foto F. Forkel, Dröda; 2010)







Die Minerale der historischen
Grube ,,Treue Freundschaft´´:

Der bei den Bauarbeiten angeschnittene alte Bergbaustollen der Grube ,,Treue Freundschaft´´ im Mai 2010.
In der Bildmitte und hinter dem Bauzaun sind die unter Wasser stehenden offenen Stollenbereiche gut zu erkennen. Dahinter ist auch der anstehende Gang auf dem die Grube Erze abbaute zu sehen.
( Foto F. Forkel, Dröda; im Mai 2010)

Malachit**

Die Malachite der alten Grube sind in zwei verschiedenen Formen ausgebildet:
- als massige, zum Teil auch strahlige, derbe Ausbildung im Gangmaterial;
-und als frei ausgebildete Garben bis zu etwa 3 cm Länge, welche sich in Drusen des Ganges ausgebildet haben.

Die Malachitgarben auf den beiden oberen Fotos sind etwa 3 cm lang;
die radialstrahlige Ausbildung hat einen Durchmesser von 1,5 cm.

Chrysokoll

Chrysokoll in dieser Ausbildung auf Quarz ist von der Fundstelle wohl die Ausnahme. In den meisten Fällen ist er derb in den Gangstücken eingelagert.

Breite der abgebildeten Stufe ca. 5 cm.

Cuprit

Cuprit fand sich eigentlich recht häufig im Haldenmaterial der ,,Treuen Freundschaft´´. In seltenen Fällen trat er auch pseudomorphos nach kristallinem Kupferkies auf.

Die abgebildete Stufe hat eine Breite von ca. 9 cm. Schön zu sehen sind hier auch die Übergänge von Kupferkies in Cuprit und Limonit.


Hydro-Hämatit

Auf dieser Stufe wird Hydro-Hämatit teilweise von Wad und Psilomelan (?) überzogen. Größe der Stufe etwa 9 x 8 x 6 cm.
Im Haldenmaterial waren aber vorwiegend Limonitstufen als
Glasköpfe zu finden.

Hier noch ein typisches Gangstück der alten Grube, bestehend aus:
Kupferkies, Malachit, Homichlin, Cuprit, Chalkosin, Gangquarz und Limonit.
Das abgebildete Stück hat eine Breite von ca. 10 cm. Solche Reicherzpartien erreichten selten auch Größen bis zu 30 cm Durchmesser

Weitere Minerale der Baustelle:

Aktinolith
auf etwa 14 x 12 cm großer Stufe vom Fundpunkt Nr. 5.



Etwa drei Meter nördlich von der Fundstelle des Aktinolith´s konnten glücklicherweise einige Proben mit Wismuterz geborgen werden. Es handelt sich hierbei um
ged. Wismut, welcher in Wismutocker eingebettet ist. Beide Minerale sind in einem aus Limonit und Quarz bestehendem Gangmaterial eingelagert. Im Randbereich dieser Gangstücke sind als große Seltenheit dieser Fundstelle einige kleine orangefarbene Wulfenit-kristalle ausgebildet. Diese zeigen teilweise Lösungserscheinungen.

Breite der abgebildeten Stufe ca.7 cm.

Goethit - Limonit
von der Fundstelle Nr. 3.

Der Quarz - Limonitgang (Fundstelle Nr. 3) hat im Schnitt eine Mächtigkeit von 60 bis 80 cm Breite. Zum größten Teil besteht er aus derbem Gangquarz. In diesem sind einige Bereiche drusig ausgebildet. Die Mineralisation der Drusen besteht vorrangig aus Limonit/ Goethit und Quarz**; gelegentlich auch aus Manganerzen. Der Quarz zeigt sich als letzte Abfolge der Mineralienausbildung als kleine Kristalle, welche selten auch schöne Perimorphosen nach Calcit (Skalenoeder) bilden ( siehe Bild oben links; Stufenhöhe 16 cm). Der oben rechts abgebildete Glaskopf hat eine Breite von 12 cm. Einige der Glasköpfe zeigen auch schöne Anlauffarben (Bildbreite links 5 cm).

In einigen kleineren Drusen traten auch Sideritkristalle auf, welche meist schon in Goethit umgewandelt sind. Die links abgebildete Stufe ist etwa 8 cm breit. Als Seltenheit fand sich Goethit in einer kleinen Druse auch als sehr gut ausgebildete Kristalle bis zu etwa 1 mm Größe.

Kupferkies konnte nur in kleinen, im Limonit eingelagerten Partien nachgewiesen werden. Zwei etwa 4 mm große Kristalle dieses Minerals auf Quarz** bilden hier die absolute Ausnahme.

Manganerze von Fundstelle Nr. 3:
Gelegentlich traten in den Limonitdrusen auch einige Minerale der Manganerzgruppe auf.Vorwiegend handelt es sich dabei um
Psilomelan und Wad. In einigen Bereichen fanden sich aber auch etwas Pyrolusit und in einem Fall auch Ramsdellit. Weitere Minerale der Mangangruppe möchte ich hier nicht ausschließen.

Wad und Psilomelan (stalaktitisch) auf stalaktitisch ausgebildetem Limonit / Goethit.( Bildbreite ca. 5 cm )

Ramsdellit und Wad auf in Goethit umgewandeltem Siderit.( Bildbreite 4 cm )

Paradoxit in bis zu 3 mm großen Kristallen auf Quarz** von einem Nebengang des Fundpunktes Nr. 7.

Diopsid trat zusammen mit Amethyst im Fundpunkt Nr.7 auf. Die langprismatisch und meistens schlecht ausgebildeten Kristalle treten im umgewandelten Diabas auf, wobei selten Größen von bis zu acht Millimeter erreicht werden (siehe Bild rechts). Die Farbe der Kristalle ist meistens blas grün.
Als Seltenheit wurden zwei kleine Drusen mit angelösten Diopsid** auf Quarz** gefunden, auf denen winzige, ebenfalls angelöste Kristalle von
Anatas aufgewachsen sind.

Alle anderen Minerale dieses Bauabschnittes der B 173 liegen meistens in kleineren Proben vor, und sollen deshalb nur in der oben veröffentlichten Tabelle Erwähnung finden.
Anzumerken ist noch, daß mit dem Abschluß der Erdarbeiten die Fundmöglichkeiten erloschen sind.

Abschließend möchte ich noch den Mitarbeitern der Firma
VSTR GmbH Rodewisch meinen Dank für die Möglichkeit zum Mineraliensammeln aussprechen. Nur so war es möglich, die überaus interessante mineralogische Situation dieser Gegend des Vogtlandes zu erfassen und zu dokumentieren.

Homepage | Übersicht | Vorschau und Ankündigungen | Aktuelles | Fundstellen | Bildergalerie | Impressum | Kontakte/Links | Site Map


letzte Änderung am 22.Januar 2018 | vogtlandkristall@web.de

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü