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Die Grube Heinrichsfreude bei Schleiz

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Für Motorsportbegeisterte hat die am östlichen Rand von Thüringen gelegene Kleinstadt Schleiz schon seit vielen Jahren einen besonderen Ruf. Hier auf dem Schleizer Dreieck werden seit 1923 die verschiedensten Rennen im Motorsport ausgetragen. Nach dem 2. Weltkrieg erlangte diese Strecke in der ehemaligen DDR eine besondere Bedeutung. So verzeichneten die Veranstalter 1950 beim Gesamtdeutschen Meisterschaftslauf mit rund 250.000 Besuchern einen neuen Rekord. Mit den internationalen Formel-3-Rennen in den 1960-ziger Jahren folgten weitere sportliche Höhepunkte. Vielen ist aber nicht bekannt, dass hier im Gebiet der Rennstrecke auch Bergbau betrieben wurde, welcher zum Teil schon sehr alt ist und dessen Anfänge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Sogar im Stadtgebiet von Schleiz befanden sich kleine, jedoch unbedeutende Gruben, welche auf Kupfer und Eisen bauten. Da diese Kupfererze etwas Silber enthielten, waren sie bei den Bergleuten schon damals begehrt.



<<< grobstrahliger Antimonit von der Grube Halber Mond bei Oberböhmsdorf/Schleiz (Höhe der Stufe 8cm)


Südlich von Schleiz befinden sich einige vorwiegend in NE/SW verlaufende Störungszonen, welche zum Teil auch größere Mengen an Antimonerz enthielten. Da dieses Erz einen recht hohen Reinheitsgrad hatte (arm an Arsen und frei von Blei), lohnte sich auch dessen Abbau. Das größte und erzreichste Grubenfeld liegt bei Oberböhmsdorf. Hier wurden auf der Grube Halber Mond bis zur Stilllegung 1954 etwa 2000 Tonnen Antimon gefördert. Kleinere Gruben befanden sich zwischen Oberböhmsdorf und dem Buchhübel, sowie südlich von Wolfsgalgen. Hier befinden sich die Grubenfelder Spitzgrube, Alexander und Heinrichsfreude. Die geschätzte Fördermenge dieser drei Gruben betrug etwa 350 Tonnen Sb, wobei über die Förderzahlen von Alexander keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Leider sind die alten Gruben heute nicht mehr zugänglich, die Halden abgetragen oder eingeebnet und die Flächen zum Teil landwirtschaftlich genutzt.


Das Grubengelände von Heinrichsfreude befindet sich zwischen der A9 und der B2 in einem Waldgebiet. Vom ehemaligen Schacht ist nicht mehr viel zu sehen. Die letzten Abbauversuche fanden zwischen 1953 und 1956 bis auf 40 Meter Teufe statt, dabei wurden keine bauwürdigen Mengen an Antimonerz angetroffen. Anschließend wurde der Schacht in 7 Meter Teufe mit Beton versiegelt und bis zur Oberfläche hin verfüllt. Die Halde wurde abgetragen und alle oberirdischen Gebäude abgerissen. Der Bergbau hier ist schon sehr alt. Schon im 15. Jahrhundert wurde das Erz bis zur 35m-Sohle abgebaut. Haldenreste vom Altbergbau findet man noch in der Nähe des Schachtes.
Interessant auf dieser Grube ist die Mineralienabfolge:

(nach MEINEL, 1956)
I
Arsenkies-Pyrit
II Arsenkies-Quarz I
III Antimonit
IV Quarz II-Ankerit-Pyrit-Sphalerit-Tetraedrit-Bournonit-Boulangerit-Chalcopyrit

Einige der Mineralien konnten in den letzten Jahren noch gefunden und weitere bestimmt werden. Besonders interessant ist der Fund von Schlacken (mit eingebackener Holzkohle) und Keramikscherben wohl aus den Anfängen des Bergbaus im 15. Jahrhundert.
(Literaturquellen: MEINEL, 1956; BERTHOLD, 1957)



Vorort Situation im Grubenfeld Heinrichsfreude
Bild oben rechts: Reste des versiegelten Schachtes
Bild oben links: Resthalde vom Altbergbau

Die Minerale

Die Fundstelle gilt als mineralarm. In der Literatur werden nur wenige Mineralien von der Grube Heinrichsfreude beschrieben.
Folgende werden aufgeführt:
Antimonit, Arsenkies, Pyrit, Quarz (zwei Abfolgen), Zinkblende, Ankerit, Boulangerit, Tetraedrit, Bournonit, Antimonocker und Chalkopyrit.
Quarz I tritt vorwiegend als derber Gangquarz auf und bildet seltener unschöne Kristalle aus. Diese sind opakt und milchig weiß. Sie sind älter als der Antimonit, da sie von diesem umschlossen werden. Der Antimonit füllt somit vorhandene Hohlräume im Quarz I aus. Quarz II bildet kleine, zum Teil wasserklare Kristalle aus.
Von den Mineralien konnte ich bisher Quarz**, Zinkblende, Ankerit (auch**), Boulangerit (derb und in Kristallen), sowie Antimonocker und natürlich Antimonit (auch in kleinen Kristallen) nachweisen.
Als neue Minerale der Fundstelle konnte ich noch Senarmontit, welcher sekundär als auch primär auftritt, sowie kleine Butzen von Metastibnit nachweisen.







Ausgezeichnetes Stück (12 x 9 x 7 cm) mit grobstängeligen Antimonit, derben Gangquarz und Antimonocker.

Antimonocker, Perimorphosen nach Antimonit** auf Quarz**
(Länge der Kristalle ca.7 mm)

Bergkristall (6 mm hoch) in Quarzdruse zusammen mit Antimonit**, welcher teilweise mit Antimonocker überzogen ist.

Gangstück (4 x 3 cm) aus Ankerit mit derb ausgebildeten Boulangerit und etwas körniger Zinkblende (u. links)

Quarzdruse mit Limonit und gelben Antimonocker, welcher als Pseudomorphose nach Boulangerit** (?) vorliegt

In dieser Quarzdruse befindet sich neben feinnadlig ausgebildetem Boulangerit ein typisch gebogener Kristall von Antimonit, welcher mit einer dünnen Kruste von Antimonocker überzogen ist. (Bildbreite 1,2 cm)

Boulangerit** mit kleinen Bergkristallen** und Kristallen von Ankerit (braun) in Quarzdruse (Bildbr. ca. 1,8 cm)

Bild oben:
strahlig ausgebildeter Antimonit auf Gangquarz (4,5 cm breite Stufe)



Bild rechts:
grobkörnige Zinkblende und Boulangerit, eingelagert in Ankerit (Höhe der Stufe 5 cm)






<<< Senarmontit** in seiner typischen Kristallform bis etwa 0,3 Millimeter Größe auf derben Boulangerit.

Auf den Spuren des Altbergbaus

Der Bergbau im Grubenfeld der Grube Heinrichsfreude ist sehr alt und begann schon im 15. Jahrhundert. Daher ist es äußerst interessant noch Spuren und Relikte dieser frühen Bergbauperiode zu entdecken. Bei einer meiner letzten Grabungen hatte ich diesbezüglich richtig Glück gehabt und konnte an einer Stelle eine größere Menge an alten Scherben finden. Auf der kleinen Fläche von etwa einem Quadratmeter lagen in ca. 40 bis 60 cm Tiefe außer den Scherben noch reichlich Schlacken und etwas Holzkohle. Das belegt, dass die Bergleute damals schon vor Ort Erzproben ausgeschmolzen haben müssen. Da die Schmelztemperatur von Antimon bei nur 630,6 Grad Celsius liegt, war es den Bergleuten möglich das Erz mittels Holzkohle in Tongefäßen zu schmelzen. Einige Schlacken zeigen noch die gewölbte Form der Innenseite dieser Gefäße. In den bis zu faustgroßen Schlacken findet man neben der Holzkohle auch rechlich Antimonglanz, welcher wohl aus den abgekühlten Schmelzen rekristallisierte.

Besonders interessant sind aber solche Scherben, an denen die Schlacken fest aufgeschmolzen sind. Auch in diesen findet man Antimonerz und Holzkohle. Auf ein paar der Scherben befinden sich sogar mehrere Zentimeter lange Kristalle von Antimonit, welcher ebenfalls nur aus einer langsam abgekühlten Schmelze entstanden sein kann.
Als große Seltenheit fanden sich Scherben mit angebackenen Schlacken, auf denen sich das Mineral Senarmontit sekundär in Form von dünnen Krusten ausgebildet hatte. Auf ein paar der Scherben fand ich unter dem Mikroskop ebenfalls winzig kleine Kristalle dieses Minerals.
Der größte Teil dieser historischen Belege des Altbergbaus befindet sich heute im Fundus vom Schloß Voigtsberg in Oelsnitz im Vogtland.

<<< Noch bergfrisch ! - der Fund vom Sommer 2017:
dutzende Belege aus den Anfängen des Bergbaus
auf Antimonerz. Die Größe der Tageszeitung
unter den Fundstücken zeigt die Menge des Fundes.


Nachfolgend ein paar Stücke aus dem oben gezeigten Fund:




<<< Verschiedene Scherben von oberen Gefäßrändern
(bis 14 cm Breite). Daneben das Bruchstück eines Gefäßhenkels und zwei Bruchstücke mit erhaltenen Füßen von dreifüßigen Gefäßen.

Keramikscherbe mit Gefäßrand (Breite der Scherbe 14,5 cm)

5 x 6 cm große Scherbe mit rekristallisiertem Antimonit

Holzkohle vom Altbergbau (Breite 5 cm)


<<< Schlacke mit aus der Schmelze rekristallisiertem Antimonit (Breite des Stücks etwa 7 cm)







Keramikscherbe
(12,5 cm breit) mit angebackenen Schlacken.
Als interessante Neubildung ist dieses Stück von einer Kruste aus Senarmontit überzogen. Unter dem Mikroskop sind stellenweise auch kleinste Kristalle von Senarmontit in seiner charakteristischen Kristallform zu erkennen!


<<< Keramikscherbe mit Schlacke, welche Bruchstücke von Gestein und Holzkohle einschließt. Breite des Stücks ca. 7cm.


Unten: Zwei massive Erzbrocken (bis 3 x 4 cm) von der Grube Heinrichsfreude.

12.01.2018

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letzte Änderung am 22.Januar 2018 | vogtlandkristall@web.de

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