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Die ..Augustus Glück´´ Fundgrube

Fundstellen > Fundstellen des Altbergbaus > Altbergbau an der Talsperre Pöhl

An der Autobahn A72 befindet sich in der Nähe der Abfahrt Treuen, direkt am Kreisverkehr der B173, die kleine Siedlung Goldene Höhe; ein Ortsteil meines Heimatortes Pfaffengrün. Westlich der Siedlung erstreckt sich ein größeres Waldgebiet. In diesem liegt etwa 500 Meter östlich einer kleinen Eisenbahnbrücke, der ,,Schwarzen Brücke´´, das Quellgebiet vom Gölischbach. Von hier aus fließt er in Richtung SW und erreicht nach etwa 3,5 km die Talsperre Pöhl. Hier im engen Tal des Gölischbaches bildet die Talsperre eine schmale Bucht, deren Ufer zum Teil bewaldet sind. Die südliche Seite der Bucht dient der Naherholung. Hier befindet sich eine kleine Bungalowsiedlung.


Die steil ansteigende nördliche Seite der Bucht ist dagegen zum größten Teil bewaldet.
Hier an der östlichen Seite vom Bosenberg (441 m über NN) befinden sich noch die Reste der Grube
,,Augustus Glück´´ samt ,,Erbstollen am Gölischbach´´. Die Grube wurde im Jahre 1857 gemutet* und baute bis 1886 Schwerspat (Baryt) ab . Neben Baryt führte der Gang vor allem noch Limonit, Siderit und etwas Manganerz.
Der von SO nach NW verlaufende Gang wurde zum Teil Übertage, zum Teil auch Untertage abgebaut.

*(Mutung: Antragstellung auf ein Grubenfeld bzw. die Beleihung)

<<< Blick auf die Bucht vom Gölischbach an der Pöhler Talsperre im Januar 2012

Übertage finden wir im Wald noch eine Pinge, die Reste eines Schurfes und die dazu gehörenden Halden. Auch im Uferbereich an der Talsperre kann man immer wieder Gangmaterial aufsammeln, welches durch die Brandung freigespült wird. Der wahrscheinlich interessantere Bereich der Grube liegt heute leider einige Meter tief unter der Wasseroberfläche, so daß hier keine Funde mehr möglich sind.
Im Januar des Jahres 2001 wurde der Wasserspiegel der Talsperre um mehrere Meter abgesenkt und es bestand die seltene Möglichkeit diesen Bereich der Grube zu betreten und zu dokumentieren. (siehe Bilder
>>>)
Durch die Jahreszeit bedingt war es leider nicht möglich, an den Halden Schürfarbeiten durchzuführen. Zu tief war der Frost in den Boden eingedrungen.

Im nebenstehenden Bild habe ich die Lage der alten Halden und des verstürzten Stolleneingangs gekennzeichnet. Um im Bild einen besseren Kontrast zu erzielen, ist es in schwarz weiß gehalten.
Im Vordergrund ist recht deutlich die Lage des Stollenmundlochs durch eine Mulde gekennzeichnet. Die im Bild sichtbaren Halden erstrecken sich noch weiter in die Tiefe des Tales. Das Material der Halden besteht aus dem Abraum und den Resten des abgebauten Erzganges. Dabei ist das Vorhandensein von bis zu mehreren Dezimeter großen Gangstücken aus Baryt interessant. Der grobspätige Baryt bildet hier bis zu etwa 20 cm große Tafeln, welche in der Regel eine schneeweiße Färbung zeigen.

Die Minerale der Grube:

Bei den meisten der auf den Halden gefundenen Eisenerze handelt es sich um schon in Limonit umgewandelten Siderit. Zum Teil fanden sich auch noch recht schöne Stufen, bei dem der Limonit als Pseudomorphose nach Siderit Kristallen vorliegt. Des weiteren kommt Limonit, wie auf vielen anderen vogtländischen Fundstellen auch, in zum Teil ausgezeichneten Glasköpfen vor. Diese bestehen bekanntlich ja aus einem Gemisch aus Goethit und Lepidokrokit. Diese Minerale kommen alle in Paragenese mit dem stets vorhandenen Baryt vor.

Die Bilder oben zeigen zwei Stufen mit Limonit Pseudomorphosen nach Siderit**. Die Breite der linken Stufe beträgt ca.14 cm.
Die rechte Stufe (6 x 6 x 5 cm) zeigt Limonit nach Siderit** auf Baryt**.
Die Bilder unten zeigen zwei typische, etwa 10 cm breite Glasköpfe der Fundstelle, welche vorwiegend aus Goethit aufgebaut sind.












Ausgezeichnete Stufe
(Größe 13 x 9 x 4,5 cm)
von Glaskopf auf Baryt
>>>>>





<<<

Der etwa 4 cm breite Ausschnitt aus der oben abgebildeten Stufe zeigt deutlich die Einlagerung von Lepidokrokit im strahligen Goethit (siehe Bildmitte).




Das Bild links unten zeigt Glaskopf auf grobspätigen Baryt (Stufenbreite ca.12,5 cm).
Auf der unten rechts abgebildeten 6 cm hohen Stufe ist der Limonit als Perimorphose nach Siderit** ausgebildet. Solche Perimorphosen gibt es auch nach bis zu 5 mm großen Pyrit Kristallen.

Die Gewinnung von Baryt (Schwerspat) war Gegenstand des ehemaligen Bergbaus auf dieser kleinen Grube. Noch heute findet man ihn reichlich auf den alten Halden, zum Teil auch in größeren Brocken und Gangstücken. Wie schon oben erwähnt, befinden sich auf den unter Wasser liegenden Halden noch größere Mengen dieses Minerals. Die grobspätigen Gangstücke sind in der Regel von schneeweißer Farbe und undurchsichtig bis durchscheinend.
An anderen Stücken ist der Schwerspat auch durch Eisenerz rötlich bis braun verfärbt. Schmutzig graue und dunkle Verfärbungen entstehen durch die Einlagerung von Mangan. Besonders der Baryt aus den oberen Bereichen des Erzganges ist deutlich öfter verfärbt und verunreinigt als das Material was tiefer im Stollen gefördert wurde. Die Gründe dafür liegen im Eisernen Hut der Lagerstätte, wo die Verwitterung und Zersetzung des Ganges am meisten fortgeschritten ist. Auch der im oberen Bereich des Ganges enthaltene Lehm, welcher durch das Oberflächenwasser eingetragen wird, verunreinigt den Schwerspat.
Neben der grobspätigen Ausbildung tritt der Baryt auch in verschiedenen Kristallformen auf. Selten bildet er auch schlanke Kristalle. Diese länglichen Kristalle werden auch als ,,Stangenspat´´ bezeichnet und sind beim Baryt allgemein eine seltenere Erscheinung.
Im den meisten Fällen sind die Kristalle aber schlecht ausgebildet und zeigen schon mehr oder weniger starke Lösungserscheinungen. Weiterhin treten an vielen Kristallen zahlreiche tektonisch bedingte Veränderungen, wie gestörtes Kristallwachstum, Kristallbruch usw., auf.
Gut ausgebildete Kristalle sind von dieser Fundstelle daher sehr selten und meistens auch nur recht klein.




Hier einige Bespiele von Barytstufen mit verschiedenen Kristallformen:

... garbenförmig oben links (Stufengr. 11 x 10 cm) und oben rechts (Stufengr. 12 x 9 cm)


... in bis zu 3 x 2 cm großen dünntafligen, rechteckig ausgebildeten Kristallen auf etwa 11 x 8 cm großer Stufe. (Einige Stufen dieser Fundstelle zeigen eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Barytstufen aus dem Revier von Kamsdorf).


... und in dicktafligen Kristallen bis zu 3 cm Größe (Bilder unten links und rechts).




Im Bild unten links ist eine Gruppe gut ausgebildeter Barytkristalle (bis ca. 7 mm Größe) zu sehen. Diese gehören offenbar einer zweiten Generation der Kristallbildung an.
Das Bild unten rechts zeigt eine Stufe mit bis zu etwa 10 cm großen, garbenförmig ausgebildeten Barytkristallen. Auf dieser befinden sich neben Limonit
noch kleine Pyrolusit Kristalle.

Oben im linken Bild sind freistehende, schlanke Baryt Kristalle bis zu 6 cm Länge auf einer ca. 8 cm breiten Stufe zu sehen. Diese Kristallform wird auch als Stangenspat bezeichnet.
Die rechts Stufe ist bei einer Größe von 13,5 x 10 x 6,5 cm vollkommen ausgeschwimmert und reichlich mit
Stangenspat besetzt. Limonit, zum Teil als Pseudomorphose nach Siderit verkittet hier die Kristalle.










Hier im Bild sind die bis zu 15 mm breiten Barytkristalle von einer Schicht aus Limonit/Goethit (Glaskopf) überzogen. Solche Stufen sind im Grubenbereich leider recht selten.

Als weitere, bisher auf der Fundstelle gefundene Minerale, sind noch Quarz und verschiedene Manganerze zu nennen.
Quarz tritt im Gangbereich nur sehr spärlich und auch nur in kleinsten Kriställchen auf.
Die Manganerze treten zusammen mit den Eisenerzen und Baryt auf. Hier handelt es sich um noch nicht weiter bestimmte Hart- und Weichmanganerze. Sicher ist das Vorkommen von
Pyrolusit, zum Teil auch in kleinen Kristallen.















Für diese Fundstelle ausgezeichnet ausgebildet ist diese 9,5 cm breite Stufe von Pyrolusit** auf Limonit/Goethit.














Noch nicht bestimmtes Manganerz (Hollandit?) auf Schwerspat. Die Stufenbreite beträgt ca. 11 cm.









Z
um Schluß
noch ein

Blick auf die
Fundstelle
im Januar 2012.

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letzte Änderung am 20. März 2018 | vogtlandkristall@web.de

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