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Der ,,Hammerknock Stollen´´ bei Pöhl

Fundstellen > Fundstellen des Altbergbaus > Altbergbau an der Talsperre Pöhl

Der Hammerknockstollen befindet sich etwas unterhalb der Staumauer der Talsperre Pöhl, Fluss abwärts an der rechten Seite der Trieb. Der Stollen wurde auf einer Länge von ca. 170 Meter aufgefahren und diente in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Gewinnung von Eisenstein. Besondere wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Abbau von Eisenerzen hier jedoch nicht. Der abgebaute Erzgang ist als mineralarm einzustufen, was die noch wenig vorhandenen Stufen eindeutig belegen.
Sammlungsmaterial ist heute vor Ort nicht mehr zu finden und praktisch nur noch in alten Sammlungen vorhanden. Auch die Halde ist nach dem Bau der Staumauer rekultiviert worden und liegt zu dem im Landschafts- und Naturschutzgebiet des unteren Trieb Tales.
Seine größte wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Stollen jedoch im Jahre 1958. Durch die tiefen Gründungsarbeiten für das Fundament der Staumauer musste die Trieb umgeleitet werden. Hierzu wurde der Hammerknockstollen neu aufgewältigt und Tal aufwärts weiter vorangetrieben. Oberhalb der künftigen Staumauer wurde die Talsohle erreicht. Am 15. Oktober 1958 erfolgte dann die letzte Sprengung zur Umleitung der Trieb durch den Stollen. So umfloß der kleine Fluss unterirdisch die Großbaustelle.
Dieser Stollendurchbruch wurde im Sommer des Jahres 1960 wieder verschlossen und mit dem Probestau begonnen.

Heute wird der untere Stollenbereich durch die Wasserwirtschaft als Kontrollstollen benutzt.

Im Bild unten links ist der Stolleneingang zu sehen. Das rechte Bild zeigt einen Blick über den Talsperrentisch auf die aus Diabas Gestein bestehende steile Felswand, hinter welcher der Hammerknockstollen verläuft.

Etwa 200 Meter unterhalb der heutigen Staumauer befand sich schon in alten Zeiten die so genannte Eisenmühle. Ihr erster schriftliche Nachweis stammt von 1491/1492. Der Pöhler Hammer befand sich am Eingang des Engtales der Trieb, oberhalb der heutigen Staumauer. Seine erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1521, wobei er vermutlich schon vorher existierte. Hier wurde das Erz aufbereitet und zu Roheisen verarbeitet. Neben dem Hammer existierte noch eine Eisengießerei (siehe Bild rechts). Zwischen den Orten Pöhl und Neudörfel befinden sich kleinere Kalksteinvorkommen, welche den für die Verhüttung von Eisenerz nötigen Kalkstein lieferten. Ein Aufschluß befindet sich an der alten Straße nach Neudörfel. Diese Stelle ist heute als geologisches Naturdenkmal gekennzeichnet. Etwas weiter südlich befindet sich ein weiterer, heute unter der Wasseroberfläche des Stausees liegender Steinbruch. Hier in der Nähe standen früher auch ein Kalkofen und die Kalkwerkhäuser. Den Energieträger Holz lieferten die nahen Wälder und das Wasser der Trieb wurde durch Wasserräder in mechanische Energie umgewandelt.

An der alten Straße nach Neudörfel liegt noch einer der alten Kalksteinbrüche mit den sehr schön gefalteten Gesteinslagen (li. Bild).
Das rechte Bild zeigt den ehemaligen alten Kalkofen.

(Die orig. Fotos vom Pöhler Hammer und vom Kalkwerk befinden sich im Besitz der Erben des ehemaligen Ortschronisten von Jocketa, Herrn Herbert Steinmüller)




Die nebenstehenden Bilder zeigen Funde aus dem Bereich der ehemaligen alten Eisenmühle im oberen Engtal der Trieb.
Bild rechts: Ein etwa 9 cm breites Stück Roheisen.
Bild links: Schlacke der Erzverhüttung (Bildbr. ca 7 cm).

Das durch den Bergbau geförderte Eisenerz wurde vom 15. bis etwa ins 17. Jahrhundert hinein gleich neben dem Pöhler Hammer und auch unmittelbar neben den Bergwerken vor Ort verhüttet. Mit Hilfe von Rennfeuer oder auch Rennöfen wurde zu Teil auch auf einfache Art und Weise das Roheisen gewonnen. Davon zeugt noch heute eine größere Anreicherung von alten Eisenschlacken im Bereich des Eisenberges.

Im Bild rechts sich reichlich Schlakenreste zu sehen, welche durch die Eisenerzverhüttung vor Ort durch Rennöfen entstanden sind. (die Bildbreite beträgt etwa 60 cm)

Der Bau der Talsperre Pöhl begann offiziell am 16. Januar im Jahre 1958. Im selben Frühjahr erfolgten dann auch die ersten Sprengungen. Der Pöhler Hammer und auch die Gemeinde Pöhl wurden dem Bau der Talsperre endgültig geopfert. Die Einwohner mussten Grund und Boden verlassen und sich wo anders eine neue Existenz aufbauen. 1964 wurde dann das Staubecken der Talsperre geflutet. Zum Andenken an das untergegangene Dorf Pöhl erhielt die Talsperre die Bezeichnung ,,Talsperre Pöhl´´. Viele Vogtländer nennen sie auch das ,,Vogtländische Meer´´. (siehe Bild unten)



Nachfolgend zwei Ausschnitte aus der Freien Presse von 1958
(bitte anklicken).


Hier einige Mineralstufen* aus dem Hammerknockstollen:
(*die Stufen ohne Sammlungsangebe sind aus eigener Sammlung)

Die Minerale Limonit und Goethit traten in den Drusen oft als Glaskopf auf.
Zwei Beispiele zeigen die Bilder oben:
Die linke Stufe hat eine Breite von etwa 5 cm
(Sammlung Pestel).
Rechts daneben ist eine ausgezeichnete 13 x 10 cm große Kabinetstufe abgebildet.

Bilder oben:

Zwei typische Stufen vom Hammerknockstollen: Chalcedon, welcher stetz mit kleisten Quarz Kristallen überwachsen ist. (die Größe der Stücke liegt bei etwa 10 bis 13 cm; Sammlung Pestel).
Die Quarz - Calcedon Stufen befinden sich in Drusen, welche im gangförmigen Brauneisenstein (Limonit) auftraten.




Bei der rechts abgebildeten ca.8 cm hohen Stufe ist der Calcedon stalaktitisch über faserförmigen Goethit ausgebildet (an den Bruchstellen ist diese dünne Goethit Faser deutlich zu sehen /ebenfalls Sammlung Pestel).






Die beiden unten abgebildeten Stufen haben eine Höhe bzw. Breite von etwa 8 cm. Die rechte Stufe zeigt leichte Anlauffarben der Quarzkristalle, welche durch einen dünnen Überzug von Limonit hervorgerufen werden.





Im braun bis gelb, durch Eisenoxyde, verfärbten
Hornstein befindet sich diese etwa 3 cm breite Druse mit blau-grauen Calcedon. Darauf befinden sich noch kleine weiße Kugeln von Calcedon einer zweiten Generation.










Eine echte Rarität der Fundstelle
und des Vogtlandes ist im Bild links zu sehen:
In einer Quarz-Calcedon Druse befindet sich eine ausgezeichnete Gruppe von spießig ausgebildeten
Baryto - Coelestin Kristallen bis zu einer Länge von etwa 1 cm! (Sammlung Kasiske)





Im rechten Bild ist eine weitere Seltenheit der Fundstelle zu sehen:
Auf den Quarzkriställchen bildet der Limonit und Goethit kleine Krusten und Überzüge sowie eine etwa 5 mm groß Pseudomorphose oder auch Perimorphose nach einem unbekannten Mineral aus. Bei der Kristallform könnte man leicht an einem Granat Kristall denken (Granatoeder?). Vielleicht auch Calcit oder?. Diese Frage wird sich wohl nicht so leicht klären lassen.
(Sammlung J. Fortak)










Ebenfalls aus der Sammlung von
Herrn Fortak aus Plauen stammt die schöne Stufe mit Calcedon und Quarz** auf Limonit-Goethit. Interessanterweise befindet sich auf der Rückseite der Stufe eine ähnlich große Druse. (Bildbreite ca. 25 cm)











Eine weitere schöne Großstufe vom Hammerknockstollen ist rechts zu sehen. Auf ihr ist der Calcedon zum Teil schön stalaktitisch ausgebildet und, für den Fundort charakteristisch, mit kleinsten Quarz Kristallen bedeckt.
Die Breite der Stufe beträgt 21 cm.

Der Vollständigkeit halber soll auch das Vorkommen von Pyrolusit mit erwähnt werden. Dieser bildet auf zum Teil zelligen Hornstein bis zu einige Zentimeter große derbe, klumpige Massen aus, auf denen sich zum Teil auch kleinste Kristalle dieses Minerals befinden.









Mit der Trieb verlassen wir nun den Bereich vom Hammertknockstollen. Flussabwärts fließt der kleine Fluss nun durch ein romantisches Tal, zwischen den mit Moos bewachsenen Felsen hindurch, über Stromschnellen und Untiefen hinweg, bis hin zu seiner Einmündung in das Tal der Weißen Elster oberhalb der Elstertalbrücke.



Recht herzlichen Dank an
J. Fortak aus Plauen, S. Pestel aus Oelsnitz / i.V. sowie J. Kasiske aus Obertriebel für die Möglichkeit Mineralien aus Ihren Sammlungen zu fotografieren und die Erlaubnis diese Fotos hier zu veröffentlichen .

( Okt. 2012 )

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letzte Änderung am 20. März 2018 | vogtlandkristall@web.de

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